Biodiversität: Landesregierung macht richtige Dinge – aber davon viel zu wenig

Veröffentlicht am 16.03.2018 in Wahlkreis

leidenschaftliche Plädoyers für den Artenschutz gab es von Daniel Born, Dieter Rösch und Gabi Rolland

Daniel Born: „Studien belegen: Der Schwund von Bienen, Schmetterlingen & Co. schreitet mit großen Schritten voran, mit dramatischen Folgen – auch für uns Menschen“

Reilingen. Zur Veranstaltung “Zwischen Bienensterben und Wolfsgeheul“ begrüßte der SPD-Landtagsabgeordnete Daniel Born seine Kollegin Gabi Rolland, die stellvertretende SPD-Landesvorsitzende und Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion für Umwelt- und Naturschutz sowie den Vorsitzenden des BUND Hockenheimer Rheinebene, Dieter Rösch, zum offenen Diskussionsabend im gut besuchten Franz-Rieger-Haus.

„Artenschutz geht nur, wenn man die richtige Balance findet“ formulierte Rolland in ihrem Eingangsstatement. Es folgte eine kenntnisreiche Präsentation der Umwelt- und Naturschutzexpertin mit den Bereichen Artenschutz und Naturschutzstrategie als Schwerpunkte. Für sie eine gute Nachricht: „Der Wolf kehrt zurück, zuletzt sah man den Wolf in Baden-Württemberg 1847“. Dies bringe jedoch Fragen mit sich, die angegangen werden müssten. „Wie schafft man es, dass der Wolf seinen Platz in der Kulturlandschaft findet?“.

Die Antworten lieferte sie dankenswerterweise gleich mit. „Der Dialog mit der Bevölkerung, Sicherheit durch Aufklärung der Bevölkerung herstellen, tatsächliche Beteiligungsprozesse gestalten, Personal aufstocken und mehr Geld in die Projekte fließen lassen, dann kann der Wolf erneut eine Heimat in den Wäldern Baden-Württembergs finden“.

„Wie so oft in der Politik: es gibt große und kleine Tiere, das heißt aber nicht, dass die einen wichtig sind und die anderen unwichtig“, leitete der Wahlkreisabgeordnete Daniel Born zum zweiten Thema des Abends über.

„Ganze Landstriche ohne bestäubende Insekten – in China schon heute Wirklichkeit. Dort müssen Bäume und Pflanzen bereits von Hand bestäubt werden und in wenigen Jahren könnte es auch in Deutschland soweit kommen“, warnte Dieter Rösch für den BUND.

„Die Krefeld-Studie 2018 kommt zu dem Schluss, dass die Insektenpopulation seit 1990 um ca. 75% zurückgegangen ist, verursacht durch die Intensivierung der Landwirtschaft. Als Hauptverursacher gelten Pestizide, Herbizide, Ackermonokulturen und der Mangel an Blühwiesen“, führte die Naturschutzexpertin Gabi Rolland weiter aus und machte deutlich: „Diese alarmierenden Zahlen kann man nicht einfach hinnehmen.

Art und Umfang der Pestizidwirkstoffe, die in der baden-württembergischen Landwirtschaft zum Einsatz kommen, müssen unbedingt thematisiert werden.“ Besonders fatal seien Insektizide aus der Gruppe der Neonicotinoide und das Totalherbizid Glyphosat. Dieter Rösch ergänzte: „Neonicotinoide wirken als Nervengift. Nehmen Insekten diese Gifte auf, etwa über Nektar und Pollen, ist unter anderem ihr Orientierungsvermögen gestört. Honigbienen finden nicht mehr in den Bienenstock zurück. Insbesondere in Naturschutz-, Wasserschutz- und in sogenannten „Natura 2000-Gebieten“ muss der Pestizideinsatz komplett verboten werden. Die besonders giftigen Neonicotinoide und das Totalherbizid Glyphosat müssen sofort und endgültig aus unseren Äckern, Privatgärten und städtischen Grünanlagen verbannt werden.“

Gabi Rolland stellte im Anschluss das Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt dar, welches der Landtag im neuen Doppelhaushalt verabschiedet hat. “Wir brauchen ein Frühwarnsystem, das uns gefährliche Entwicklungen wie beim Insektensterben frühzeitig aufzeigt und wir müssen wissen, ob die ergriffenen Maßnahmen auch wirken. Werden die Ziele nicht erreicht, muss nachgesteuert werden“, so die SPD-Landtagsabgeordnete.

„Vereinfacht könnte man sagen, das Problem ist nicht, was die Landesregierung tut, sondern vielmehr, was sie nicht tut. Es ist gut und richtig, dass sie punktuell Maßnahmen ergreift, diese müssen aber zu einem schlüssigen Gesamtkonzept gebündelt und verstetigt werden! Hier fehlt leider jeder flächendeckende oder über eine Projektphase hinauswirkende Anspruch bei Grün-Schwarz.

Der Umwelt- und Naturschutz muss in der Landespolitik endlich den ihm gebührenden Stellenwert erhalten. Beim Handeln der Landesregierung hat man gelegentlich den Eindruck, es gehe ihr mehr um gelungene Öffentlichkeitsarbeit als um echte Verbesserungen“, fasste Rolland ihre Hoffnung zusammen, dass künftig gemeinsam mehr erreicht werden könne.

Zuletzt wurden Ideen und Anregungen von Podium und Teilnehmern gesammelt und Forderungen formuliert, wie eine Verbesserung der angesprochenen Punkte erreicht und ein moderner Artenschutz aussehen könnten. „Wir brauchen eine nachhaltige Agrarwende in der Landwirtschaft, damit unsere Äcker auch wieder zu Lebensräumen für Vögel und Insekten werden.

Die gesamte landwirtschaftliche Förderpolitik muss so ausgerichtet werden, dass sie den bäuerlichen Familienbetrieben und der Natur in unserem Land gleichermaßen nutzt. Fördert die Landesbauordnung sinnvolle Dinge wie Fassadenbegrünung ohne die Menschen zu gängeln und nötige Wohnraumschaffung zu verhindern? Warum werden die Blüh- und Grünstreifen am Feldrand so häufig beseitigt? Warum ist es so schwierig, Naturschutz und Landwirtschaft zusammenzubringen, um gemeinsam gegen das Artensterben vorzugehen. Hat das Verbot von Glyphosat in Baden-Württemberg eine Chance?“ Das nahmen die beiden Parlamentarier ebenso mit nach Hause wie BUND-Chef Dieter Rösch.

Daniel Born und die gastgebende SPD Reilingen zeigten sich nach dem spannenden Diskussionsabend überzeugt, dass ein moderner, nachhaltiger und qualitativ hochwerter Artenschutz gelingen kann. „Man merkt, dass hier so viele gute Überzeugungen und Ideen an Bord sind, dass die Politik im Austausch echte Meilensteine erreichen kann.“ so der Landtagsabgeordnete aus Schwetzingen.

 

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