
Gestern Abend hatten wir die große jährliche Mitgliederversammlung von „Gegen Vergessen – für Demokratie“ in der Academie der schönsten Künste in Stuttgart. Dieser Initiative stehe ich ja als Landessprecher vor, und mir bedeuten sowohl der Verein als auch mein Ehrenamt viel. Weil wir gerade in Zeiten, in denen unsere Demokratie von neuen Rechtsradikalen – die aber auch als Teil ihrer Strategie die Vergangenheit vergessen machen wollen – gegenhalten. Ich sage „Demokratie braucht Erinnerung und Erinnerung braucht Demokratie“. Gestern hatten wir einen Fokus auf die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit früherer Abgeordneter und der Künstler*innen, die im Landtag ausgestellt werden, gelegt. Warum schreibe ich das hier in der Freitagspost?
Weil alle, die mich in den letzten Jahren im Rahmen meiner Demokratietouren in Stuttgart besucht hatten, wissen, wie sehr mir dieses Thema am Herzen liegt.
Biographien sind vielfältig – auch wenn es um den NS-Bezug geht. Es gibt Mitläufer – manchmal, in ganz seltenen Fällen sogar Oppositionelle, die sich durch eine Mitgliedschaft in einer NS-Organisation etwas unverdächtiger gegenüber der Diktatur machen wollten. Aber es gab auch viele Täter, Mörder, Zerstörer der Demokratie und überzeugte Nationalsozialisten, die nach 1945 in anderen Parteien oder Wählergruppen Karriere machten. Und die auch den Landtag und damit das Land Baden-Württemberg prägten. Es gab keine Stunde Null. Weder im Land noch in unseren Kommunen.
Und wir müssen als Demokrat*innen den Mut zur Wahrheit haben: 1945 begannen wir unsere demokratische Reise neu. Aber Teil dieser Reise waren Männer, die die Demokratie verachtet und bekämpft haben.
Das Gesamtforschungsprojekt über die Abgeordneten wird voraussichtlich 2027 fertig sein, das Gutachten über die Künstler*innen der Werke im Landtag ist bereits jetzt abgeschlossen. Alle Forschungsergebnisse können auf der Seite der Landeszentrale für politische Bildung nachgelesen werden.
Foto der Woche
Ohne die Mitglieder in demokratischen Parteien gibt es keine Demokratie. Wir feiern, dass Menschen bereit sind mit ihren Ideen, ihrer Tatkraft, ihrer Freizeit, ihrem Geld und ihrem Wissen als Parteimitglieder die Demokratie stärker zu machen. Und bei der SPD Neulußheim hatten wir richtig viele Mitglieder zu ehren.
