
Feiertage sind dazu da, um gefeiert zu werden. Darum nutze ich auch immer gerne die Reichweite meiner Social-Media-Auftritte, um zu zeigen, welche wunderschöne Vielfalt an Feiertagen wir in Deutschland haben.
Vor ein paar Tagen habe ich Glückwünsche zum Zuckerfest, gestern zum Pesach-Fest ausgesprochen – und überübermorgen natürlich zum Osterfest.
Nun bin ich es ja gewohnt, viele Likes, aber auch viel Kritik für meine Aussagen zu bekommen. Aber bei den Glückwünschen eskaliert es immer besonders. Da erklären mir dann Menschen, welche Feiertage angeblich zu Deutschland gehören würden und welche nicht. Wie absurd.
Wir sind doch eine Republik – und eine Republik wird von Menschen gemacht. Und wenn diese Menschen einen Feiertag haben, gehört der doch mit dazu.
Für mich als evangelischer Christ ist beispielsweise der morgige Karfreitag der wichtigste Feiertag. Darum ist es ja auch Tradition, dass ich am Karfreitag keine Freitagspost schreibe. Und ich finde es schön, dass mir an diesem Tag viele Menschen begegnen, die meinen Glauben teilen, aber auch viele, die nicht meinen Glauben haben, aber trotzdem mit großem Respekt und Interesse teilnehmen.
Wenn Deutschland ein Dorf mit 1000 Einwohner*innen wäre, dann wären 470 Christ*innen, 70 wären Muslim*innen und 2 hätten den jüdischen Glauben. Wäre es in diesem Dorf nicht ganz normal, dass man sich füreinander interessiert und akzeptiert, dass ein Teil feiert?
Und wäre es nicht schön, wenn die, die feiern, auch die anderen miteinladen würden? Genauso habe ich das all die Jahre erlebt. Und bin dafür immer wieder hart kritisiert worden. Warum eigentlich?
Das Bild mit dem 1000-Einwohner*innen-Dorf hilft übrigens ganz gut, um sich Deutschland vorzustellen. In dem Dorf hätten 250 Menschen einen Migrationshintergrund, 10 Menschen wären obdachlos, 90 Menschen hätten eine Schwerbehinderung, 70 Menschen wären queer, 40 Menschen wären pflegebedürftig, 160 Menschen wären armutsgefährdet. Es würden 160 Menschen unter 18 Jahren dort leben und 230 Menschen wären im Rentenalter.
Die Gewerkschaften hätten etwa 170 Mitglieder, der ADAC 260 Mitglieder. Und der SPD-Ortsverein würde aus 4 Mitgliedern bestehen.
Eine ganz große Stärke des Dorfes? 400 Menschen würden sich ehrenamtlich engagieren. Würden sich einbringen, sodass das Miteinander zählt.
Und wenn wir auf unsere Feiertage schauen, dann merken wir auch hier, dass sie eigentlich Feiertage des Miteinanders sind.
Komisch, dass sie im Netz so schnell zu Tagen des Gegeneinanders werden. In unserem Dorf wären 240 Menschen bei TikTok, 370 Menschen bei Instagram und 510 Menschen bei Facebook angemeldet.
Da müssten wir in unserem Dorf gut aufpassen, dass wir da nicht den Hass und die Hetze verbreiten, die am Schluss das Zusammenleben von uns 1000 schwer machen.
Foto der Woche
Auch in der vierten Ausgabe ein Riesenerfolg – unsere Kleidertauschparty im Wahlkreisbüro. Wir hatten so viele Teilnehmer*innen, und es war ein Nachmittag voller guter Gespräche.
