
Grußwort beim „Schlachtfest“, dem parlamentarischen Abend des Baden-Württembergischen Handwerkstags in den Räumlichkeiten der Handwerkskammer Stuttgart


Grußwort beim „Schlachtfest“, dem parlamentarischen Abend des Baden-Württembergischen Handwerkstags in den Räumlichkeiten der Handwerkskammer Stuttgart
Sehr geehrter Herr Reichold,
sehr geehrte VertreterInnen und Vertreter der Handwerksbetriebe, Verbände, Kammern,
sehr geehrter Herr Stellvertretender Ministerpräsident Strobl,
sehr geehrte Frau Ministerin Gentges, Frau Ministerin Razavi, Herr Minister Hauk und Herr Minister Lucha,
sehr geehrte Herren Fraktionsvorsitzende,
sehr geehrte Damen und Herren,
Ich danke Ihnen zu allererst ganz herzlich für die Einladung und freue mich sehr, Sie im Namen des Landtags hier auf Ihrem Parlamentarischen Abend begrüßen zu dürfen.
Parlamentarische Abende sind eine wunderbare und wichtige Tradition, weil sie es uns ermöglichen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Und darauf freue ich mich. Das Handwerk ist ein so zentraler Teil unserer Wirtschaft. Baden-Württemberg als erfolgreiche Region, als Wirtschaftsstandort und als Ort, wo Innovation erdacht und umgesetzt wird, wäre ohne das Handwerk nicht denkbar. Das Besondere beim Handwerk ist dabei, dass es mittendrin ist. Mittendrin in unserer Gesellschaft, mittendrin in unseren Städten und Gemeinden, mittendrin auch in den politisch-gesellschaftlichen Herausforderungen, die wir als demokratische Gesellschaft zu bewältigen haben.
Ganz im Sinne dieses „Mittendrins“ hat das Handwerk selbst ja auch den Slogan geprägt „Die Wirtschaftsmacht. Von nebenan.“
Als ich mich auf den heutigen Abend vorbereitet habe, habe ich mich gefragt, was genau das denn bedeutet, mittendrin und von nebenan zu sein. Es ist ja so, dass man schon manchmal das Gefühl hat – jedenfalls mir geht das so – in einer Gesellschaft zu leben, in der es nicht nicht mehr überall so ein „nebenan“ gibt. Jedenfalls scheint das nicht mehr so selbstverständlich. Da ist oft eher ein Nebeneinanderher. Das Motto der Wirtschaftsmacht von nebenan gefällt mir deshalb besonders gut. Und ich glaube, dass sich darin Werte und Ideen widerspiegeln, die in Wirtschaft und Handwerk, aber eben genauso auch in Politik und Gesellschaft wichtig sind. Werte, die wir miteinander teilen.
Das Handwerk von nebenan hat viel mit Vertrauen zu tun und mit Verlässlichkeit. Wenn ich z.B. ein Problem bei mir zu Hause habe, dann vertraue ich dem Handwerk, indem ich Handwerker*innen in meine Wohnung lasse. Ich bin zuversichtlich, dass ich mich auf ihre qualitativ hochwertige Arbeit verlassen kann. Und ich vertraue darauf, nicht über den Tisch gezogen zu werden. Natürlich werde ich so gut es geht nachvollziehen, was genau der Handwerker oder die Handwerkerin tun wird, um mein Problem zu lösen. Die Expertise, das genau zu verstehen, habe ich nicht. Ich werde auch die Rechnung auf Plausibilität prüfen. Aber ich muss auch vertrauen. Sonst wird es nicht funktionieren. Auch wenn ich bei meinem Bäcker um die Ecke einkaufe, vertraue ich darauf, dass das Brot, das ich kaufe gut gemacht ist. Und auf die korrekte Angabe von Inhaltsstoffen, denn gegen manches bin ich allergisch. Im Handwerk sind also Verlässlichkeit, Verantwortung (denn Fehler können ja tatsächlich schnell fatal sein), Fleiß, Vertrauen wichtige Werte.
In Politik und Gesellschaft spielen diese Werte auch eine große Rolle. Ohne Vertrauen funktioniert’s nicht. Und genauso nimmt auch unsere Demokratie Schaden, wenn ein Gefühl mangelnder Verlässlichkeit entsteht oder Probleme nicht tatsächlich auch gelöst und behoben werden.
Hier haben wir eine große Verantwortung. Wir als Politik, die wir die richtigen Rahmenbedingungen liefern müssen. Und ich denke, es ist bei uns allen angekommen, dass überbordende Bürokratie der wohl wesentlichste Hemmklotz auf diesem Weg ist. Auch wir, die Politik müssen unser Handwerk verstehen und zu Lösungen bestmöglich beitragen.
Aber auch wir gemeinsam mit Ihnen tragen Verantwortung. Denn weil das Handwerk mittendrin und von nebenan ist, steht es mit beiden Beinen auf dem Boden und mitten im Leben. Das Handwerk ist unmittelbar betroffen von zentralen politisch-gesellschaftlichen Herausforderungen, vor denen wir stehen. Das Handwerk ist aber gleichzeitig ein entscheidender Faktor für die Lösung.
Beispiele:
Ich glaube, es wird deutlich, was mir heute wichtig ist zu sagen: Das Handwerk wird dringend gebraucht. Als Wirtschaftsmacht. Von nebenan. In Zeiten, in denen wir viel von Krisen sprechen, in denen auch viel Fakenews und Populismus die Grundfesten unseres Zusammenlebens, die Vertrauensbasis bedrohen, ist gerade das Handwerk eine handfeste Stütze.
Sie vertreten Berufe, die ganz konkret etwas machen, etwas herstellen, die unmittelbar an Problemlösungen arbeiten. Das ist sehr real und echt. Man kann schlecht Fakenews darüber verbreiten, ob eine Maschine funktioniert oder nicht. Oder ob da auf dem Bauplatz um die Ecke jetzt eine neue Wohnung entstanden ist oder nicht. Das können wir sehen, das ist real und handfest. Ich habe an unzähligen Stammtischen und auf politischen Veranstaltungen z.B. die Energiewende diskutiert. Und ich finde das auch wichtig, das zu tun. Die für mich lehrreichsten Gespräche dazu hatte ich aber dennoch immer wieder bei Unternehmensbesuchen mit Vertreter*innen Ihrer Branchen, die mir konkret sagen konnten, was sie machen können und was nicht. Ich glaube, dieses Reale und Handfeste, wofür das Handwerk steht, ist politisch und gesellschaftlich enorm wichtig, damit wir vorankommen.
Und deshalb danke ich Ihnen noch einmal sehr herzlich für die Einladung zu dem heutigen Abend und freue mich auf den Austausch mit Ihnen über die Werte, von denen uns viele einen, aber gern auch darüber, wo Sie meinen, dass wir als Politik unser Handwerk verbessern müssen. Wir brauchen Sie. Baden-Württemberg braucht das Handwerk. Und wir gemeinsam brauchen mehr mittendrin und nebenan. Lassen Sie uns darüber gern ins Gespräch kommen.
Vielen Dank.
Es gilt das gesprochene Wort.